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Forschung: Drei auf einen Streich

Veröffentlicht am 31.03.2016, 13:44 Uhr     Druckversion

Foto: Jürgen Haacks, Copyright: Uni Kiel

CAU holt Leibniz-Triple an die Kieler Frde:
Das Modell der Leibniz-WissenschaftsCampi soll der Vernetzung von universitrer und aueruniversitrer Forschung Forschung dienen und der zuweilen kritisierten Versulung im deutschen Forschungssystem entgegenwirken. Ziel ist es, Netzwerke zu schaffen, um den jeweiligen Forschungsbereich weiter zu entwickeln und das wissenschaftliche Umfeld fr diese Thematik zu strken.

Die Leibniz-Gemeinschaft in Berlin hat nun fr gleich drei WissenschaftsCampi an der Christian-Albrechts-Universitt zu Kiel eine Frderung bewilligt. Martin Habersaat, forschungspolitischer Sprecher der SPD-Landtagsfraktion: Drei auf einen Streich, das gibt es bundesweit nur in Kiel und Mannheim. Da ist der CAU ein groer Erfolg gelungen! Dabei gehe es um so unterschiedliche Forschungsschwerpunkte wie Globalisierung, Lungenkrankheiten und Wissenschaftskommunikation.

Schleswig-Holsteins Wissenschafts-Ministerin Kristin Alheit gratulierte der Christian-Albrechts-Universitt und den kooperierenden Instituten und sprach von einer bemerkenswerten, bundesweit beachteten Entscheidung, die das hohe Niveau der Spitzenforschung im Norden belegt. Die Frderung fr die Projekte sei bestens angelegt und setzte starke Impulse fr die schleswig-holsteinische Forschung. Das Gesamt-Finanzvolumen fr die drei Leibniz-Campi im Land beluft sich auf 9,2 Mio. Euro. Das Land beteiligt sich daran mit 1,2 Millionen Euro. Habersaat: Neben den gerade vereinbarten Steigerungen der Grundhaushalte sind auch diese Mittel ein wichtiger Beitrag zur Entwicklung des Forschungsstandorts Schleswig-Holstein.

Die drei neuen WissenschaftsCampi:

Die Konsequenzen der Globalisierung
Kiel Centre for Globalization (Kieler Zentrum fr Globalisierung - Christian-Albrechts Universitt/Institut fr Weltwirtschaft)

Erforscht werden sollen die Konsequenzen der Globalisierung, positive wie negative, mit Fokus auf wachsende weltweite Lieferketten. Weltweite Lieferketten, sogenannte global supply chains, sind ein bedeutender Kern der Globalisierung. Sie beschreiben komplexe Prozesse von der Herstellung eines Produkts oder einer Dienstleistung bis zur Ankunft beim Endkunden. In der globalisierten Welt haben diese Lieferketten immer greren Einfluss auf das Wachstum von Industrie- und Entwicklungslndern. Whrend Produktion und Handel ber Lndergrenzen hinweg zu einer nahezu flchendeckenden Versorgung fhren, der Absatzmarkt fr Industrielnder also immer grer wird, schaffen kleinere Staaten durch Spezialisierung den Eintritt in den internationalen Markt. Aber Handel und Produktion auf internationaler Ebene bringen nicht nur Gewinner, sondern auch Verlierer und unerwnschte Nebeneffekte hervor, erlutert der Sprecher des KCG Professor Holger Grg, der am IfW den Forschungsbereich Die internationale Arbeitsteilung leitet und an der CAU die Professur fr Auenwirtschaft innehat. Das Kieler Zentrum fr Globalisierung hat deshalb zum Ziel, so Grg weiter, die vielfltigen internationalen Schaupltze von Handel und Produktion zu erforschen und wissenschaftlich fundierte Empfehlungen fr politische und gesellschaftliche Entscheidungsprozesse abzuleiten.

Drei Wissenschaftsdisziplinen werden das Thema im KCG mit acht Professorinnen, Professoren, einem PostDoc und acht Doktoranden zusammenarbeiten. Untersucht werden neben traditionellen weltwirtschaftlichen und betriebswirtschaftlichen Fragestelllungen auch ethische Aspekte der Globalisierung. Trauriges Beispiel fr derartige negative Effekte aus weltwirtschaftlicher, betriebswirtschaftlicher und ethischer Sicht ist der Einsturz des achtstckigen Fabrikgebudes Rana Plaza in Bangladesh (2013), bei dem ber 1.100 Menschen ums Leben kamen. Im Wettbewerb um Investitionen und Produktionsstandorte unterbieten sich Lnder wie Bangladesh gegenseitig auf Kosten von Arbeits- und Sicherheitsbedingungen und letztlich auf Kosten ihrer eigenen Wohlfahrt, erklrt Grg. Begleiterscheinung dieser globalen Produktion seien zudem lange Transportwege, die Energie und Ressourcen verschlingen und damit den Klimawandel befeuern.

Erforschung von Lungenkrankheiten          
Evolutionary Medicine of the Lung (EvoLUNG Forschungszentrum Borstel, CAU und Max-Planck-Institut fr Evolutionsbiologie in Pln)

Ziel ist die interdisziplinre Erforschung von schwerwiegenden Lungenerkrankungen anhand evolutionswissenschaftlicher Methoden und perspektivisch die Entwicklung neuer Therapien fr Erkrankungen wie Asthma, Tuberkulose, Mukoviszidose oder chronische Bronchitis. In dieser neuen Initiative kommen die landesweit bedeutendsten biomedizinischen Forschungsinstitutionen zusammen, um ein beispielloses interdisziplinres Forschungsumfeld in der Evolutionsmedizin zu erschaffen. Die wissenschaftliche Aufgabenstellung von EvoLUNG umfasst drei Hauptthemen: Der erste Forschungsbereich beschftigt sich mit der Verbreitung und Herkunft von behandlungsresistenten Krankheitserregern in der Lunge. Der zweite Schwerpunkt erforscht die Evolution von krankheitsauslsenden Genen des Menschen, insbesondere solchen Krankheitsgenen, die Lungenerkrankungen begnstigen. Das dritte Forschungsgebiet untersucht das Zusammenspiel von Krankheitsgenen, Mikroorganismen, Krankheitserregern und Umwelt als Faktoren der Krankheitsentstehung in der Lunge.

Trotz groer Fortschritte in Diagnostik und Behandlung sind Lungenkrankheiten weltweit weiterhin auf dem Vormarsch und gehren zu den hufigsten Todesursachen. Mit der interdisziplinren Erforschung der zugrundeliegenden evolutionren Mechanismen der Krankheitsentstehung erffnen wir eine vllig neue Perspektive, dieser dringlichen medizinischen und gesellschaftlichen Herausforderung zu begegnen, beurteilt Professor Stefan Ehlers, Direktor des Borsteler Lungenforschungszentrums der Leibniz-Gemeinschaft, den Stellenwert der neuen Initiative.

Mit der Einrichtung des deutschlandweit einzigartigen evolutionsmedizinischen Forschungszentrums EvoLUNG leisten die Projektpartner FZB, CAU und MPI-EB Pionierarbeit am Wissenschaftsstandort Schleswig-Holstein. Das Potenzial des neuen Zentrums liegt insbesondere in der Verbindung der beteiligten Institutionen. Die Standorte Borstel, Pln und die CAU stehen fr besondere Forschungserfolge auf den Gebieten der Evolutionstheorie, der experimentellen Evolution und der evolutionren Genomik, erlutert FZB-Professor Stefan Niemann, Sprecher des neuen Campus. Hinzu kommen besondere Kenntnisse in der funktionellen Analyse von Krankheitsgenen, in der Erforschung der Interaktionen von Wirt und Krankheitserregern und von chronisch-entzndlichen Lungenkrankheiten, vor allem der Tuberkulose und des Asthmas. Im EvoLUNG-Projekt vereinen sie diese Strken, um die Erforschung schwerwiegender Lungenkrankheiten entscheidend voranzubringen.

Wissenschaftskommunikation
Kiel Science Outreach Campus (Kieler Wissenschaftscampus fr Wissenschaftskommunikation, KiSOC 15 universitre und aueruniversitre Partner, darunter das Leibniz-Institut fr die Pdagogik der Naturwissenschaften und Mathematik (IPN) Kiel).

Das Konsortium aus 15 universitren und aueruniversitren Partnern aus sechs Lndern will Wege aufzeigen, wie wissenschaftliche Erkenntnisse verstndlich in die ffentlichkeit getragen und Talente so fr das Studium der sogenannten MINT-Fcher (Mathematik, Informatik, Naturwissenschaft und Technik) begeistert werden knnen. Die Gesellschaft sollte an wissenschaftlichen Erkenntnissen teilhaben knnen. Umgekehrt profitiert auch die Forschung, wenn ihre Leistungen honoriert und verstanden werden. Wissenschaftskommunikation wird immer wichtiger: Wenn knftig starke Impulse von Norddeutschland ausgehen, ist das ein groer Gewinn, sagte Wissenschaftsministerin Kristin Alheit. Der Kiel Science Outreach Campus ist auch in einem anderen Sinn wegweisend: Gerade die breite internationale Kooperation, die in dem Projekt KiSOC angelegt ist, wird dem Wissenschaftsstandort Schleswig-Holstein neue Dynamik verleihen.

Professor Olaf Kller, einer der KiSOC-Sprecher, wertet den Erfolg als Ergebnis der jahrzehntelangen bewhrten Zusammenarbeit zwischen dem IPN und der Universitt Kiel. Es ist nur folgerichtig, dass wir auf dieser stabilen Grundlage jetzt ein internationales Netzwerk aufbauen. Das innovative Forum aus Untersttzern und Partnern werde neue Vermittlungsformen fr Wissenschaft entwickeln und somit langfristig als Katalysator fr eine wissenschaftlich interessierte Bevlkerung und qualifizierte Arbeitskrfte wirken, ist sich der IPN-Direktor sicher.

KiSOC will dazu zunchst bestehende Aktivitten und Formate der Wissenschaftsvermittlung untersuchen und bewerten. Das Augenmerk liegt dabei besonders auf Schwierigkeiten bei der Vermittlung naturwissenschaftlicher Inhalte. Mittelfristiges Ziel ist es, auf der Grundlage einer umfassenden Analyse ein positives Verstndnis von Inhalten, Strukturen und Effekten wissenschaftlichen Arbeitens in der Bevlkerung zu entwickeln. Nur wenn es uns gelingt, in der breiten Bevlkerung ein Verstndnis fr die Leistungen und den Wert der Forschung insbesondere in den Naturwissenschaften zu erzeugen, knnen wir auf Dauer mehr Menschen fr dieses Ttigkeitsfeld begeistern, beschreibt CAU-Vizeprsidentin Professorin Ilka Parchmann, die andere Sprecherin des Wissenschaftscampus KiSOC, die Aufgabe.

In KiSOC eingebunden sind 15 nationale und internationale Partnerinstitutionen aus sechs Lndern: das Forschungszentrum Borstel, das Leibniz Institut fr Wissensmedien (Tbingen), das Deutsche Museum (Mnchen), das Leibniz-Institut fr Pflanzengenetik und Kulturpflanzenforschung (IPK, Gatersleben), das Nationale Institut fr Wissenschaftskommunikation (KIT, Karlsruhe), Spektrum der Wissenschaften, die Fachhochschule Kiel (Mediendom), die Tagung der Nobelpreistrger (Lindau), das Mathematikum (mathematisches Mitmach-Museum, Gieen), The Weizmann Institute of Science (Israel),  University College London (Institute of Education, UK, Helsinki University, LUMA Centres (Finnland), Visualiseringscenter C (Norrkping, Schweden), Curry School of Education (University of Virginia, USA).

 
Foto: Neugierige Schlerinnen an der Multimedia-Sule des Forschungsschwerpunktes Nanowissenschaften und Oberflchenforschung im Kieler Sophienhof.
Foto: Jrgen Haacks, Copyright: Uni Kiel

Homepage: Martin Habersaat, MdL


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