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Lernen in einer digitalen Welt

Veröffentlicht am 13.03.2016, 15:42 Uhr     Druckversion

Martin Habersaat ber Herausforderungen und Konzepte

Der Einsatz digitaler Medien verndert das Privatleben, die Arbeitswelt und das Lernen. Dieser  Umstand hat auch Auswirkungen auf die Schulen. Bildungsministerin Britta Ernst hat das Lernen in einer digitalen Welt deshalb zu einem ihrer Arbeitsschwerpunkte gemacht. Der Landtag, der am Mittwoch um 10.00 Uhr immer nur die wichtigsten Themen aufruft, begann seine Tagung im Mrz 2016 sogar mit einer Debatte zu diesem Thema.

Grundlage war ein ausfhrlicher Bericht der Landesregierung. Die Medienbildung ist in Schleswig-Holstein strukturell als Aufgabe aller Fcher im allgemeinen Teil aller Fachanforderungen verankert. Martin Habersaat, bildungspolitischer Sprecher der SPD-Landtagsfraktion und Abgeordneter aus Reinbek: Manche Frage lsst sich heute noch nicht abschlieend beantworten. Eine Antwort der Landesregierung zu einer technischen Frage hat mich aber besonders gefreut: Sptestens 2020 wird jede Schule in Schleswig-Holstein einen Glasfaseranschluss haben.

Andere technische Fragen seien noch offen. Ist es besser, die Schulen umfangreich mit einer Technik auszustatten, die doch nach einigen Jahren wieder veraltet ist? Oder hilft BYOD (Bring your own device), sollten die Schlerinnen und Schler also ihre eigenen Gerte mit in die Schule bringen? Knnten das alle? Wie kann eine Lehrkraft damit umgehen, dass die Schlerinnen und Schler zuweilen mehr von der Technik verstehen als sie selbst? Wie kann verhindert werden, dass Lehrkrfte diesen Umstand als Begrndung benutzen, sich nicht fortbilden zu wollen?  Und schlielich: Was definiert guten Unterricht mit digitalen Medien? Es tut sich eine ganze Menge in Schleswig-Holstein. Eines, findet Martin Habersaat, der bis zu seinem Einzug in den Landtag selbst an einem Gymnasium in Hamburg Deutsch, Geschichte und PGW (Politik-Gesellschaft-Wirtschaft) unterrichtet hat, sollte man relativierend im Hinterkopf behalten: Es gibt schlechten Unterricht mit vielen digitalen Medien, genauso wie es guten Unterricht ganz ohne digitale Medien gibt. Studien zeigen, dass der Einsatz von Technik allein keine positiven Ergebnisse mit sich bringt. Kinder und Jugendliche werden nicht automatisch zu kompetenten Nutzern. Es brauche sinnvolle didaktische Konzepte.

Studien

Es gibt einige Studien zum Thema, beispielsweise wird seit 1998 der Stellenwert von Medien im Alltag von Jugendlichen untersucht (http://www.mpfs.de). Handy, Fernseher, Computer und Internetzugang sind in nahezu allen Haushalten vorhanden. Handy und Internet werden von heutigen Jugendlichen hufiger genutzt als der Fernseher. Die Studie ICILS kam 2013 zu dem Schluss, dass die computer- und informationsbezogenen Kompetenzen von Jugendlichen in Deutschland europaweit im Mittelfeld liegen, die Kompetenzwerte der Mdchen sind in allen Lndern hher als die der Jungen. In allen Lndern finden sich Bildungsbenachteiligungen fr Schlerinnen und Schler mit Migrationshintergrund oder einer ungnstigen soziokonomischen Herkunft.

Lernen mit digitalen Medien - 20 Musterschulen

Mit dem Projekt Lernen mit digitalen Medien sollen besonders engagierte Schulen bei der Entwicklung und Umsetzung von lernfrderlichen Unterrichtsmodellen untersttzt werden. Es werden 20 Modellschulen in der Umsetzung ihres Konzeptes zum Lernen mit digitalen Medien begleitet. Die Modellschulen geben ihr Wissen auf Netzwerktagungen an andere Schulen weiter und stehen auch als Hospitationsschulen zur Verfgung. Sie erhalten eine finanzielle Frderung zur schnellen Umsetzung ihrer Konzepte und werden von MedienentwicklungsberaterInnen untersttzt. Martin Habersaat: An der Tatsache, dass sich landesweit 111 Schulen fr dieses Projekt beworben haben, lsst sich ablesen, dass einiges in Bewegung ist. Wegen der groen Nachfrage wurde das Projekt von 12 auf 20 Schulen aufgestockt. Aus Stormarn sind die Emil-Nolde-Grundschule aus Bargteheide und das Gymnasium Stormarnschule aus Ahrensburg dabei. In der Emil-Nolde-Schule  geht es vor allem um Informationsbeschaffung und -bewertung, es gibt eine Medienstunde, eine Fachschaft Medien und einen schulinternen Stoffverteilungsplan.  In den unterschiedlichen Stufen der Stormarnschule sollen die Schlerinnen und Schler eine besondere von der Schule erstellte Media Competence Licence (MCL) erhalten. Eine professionalisierte Infrastruktur mit WLAN wird den Einsatz mobiler Endgerte (BYOD) ermglichen. Aus dem Kreis Herzogtum Lauenburg ist die Grundschule Mssen dabei, die in der Deutsch- und Mathewerkstatt digitale und traditionelle Medien und Materialien kombiniert. 2017 werden die Projektergebnisse aller Schulen auf einer Tagung prsentiert und in einem Bericht verffentlicht.

Digitale Schulbcher

Allein der Cornelsen-Verlag bietet fr Schleswig-Holstein 201 digitale Schulbcher an. Eine Schulbuchprfung gibt es in Schleswig-Holstein nicht mehr, ber den Einsatz eines Schulbuches entscheiden die Fachkonferenzen der einzelnen Schulen. Ob und wie die digitalen Bcher genutzt werden, liegt im Ermessen der Schulen. Im Rahmen des Projekts Lernen mit digitalen Medien wird der Einsatz digitaler Bcher pilotiert und erprobt. Hier beteiligen sich 212 Lehrkrfte aus 40 Schulen, ihnen wird das Verlagsangebot von Buchner, Cornelsen, Klett, Mildenberger und der Westermann Gruppe bis zum Sommer 2017 kostenfrei zur Verfgung gestellt. Zurzeit wird geprft, ob das Projekt um die Nutzung von Lernvideos und interaktivem bungsmaterial erweitert werden kann.  

Ausstattung

Im August 2015 wurde eine berarbeitung der Empfehlungen fr die schulische IT-und Medienausstattung in Schleswig-Holstein verffentlicht. Diese Empfehlungen sind im Auftrag des Ministeriums fr Schule und Berufsbildung des Landes Schleswig-Holstein und der Kommunalen Landesverbnde Schleswig-Holsteins vom Institut fr Qualittsentwicklung an Schulen Schleswig-Holstein (IQSH) entwickelt worden. In der AG IT Bildung wurden die Inhalte mit Vertretern der kommunalen Landesverbnde diskutiert und berarbeitet.

Lehrerbildung

Nach 12 des in dieser Legislaturperiode verabschiedeten Lehrkrftebildungsgesetzes ist die Vermittlung von Medienkompetenz in smtliche Lehramtsstudiengnge zu integrieren. Die Europa-Universitt Flensburg beispielsweise bietet in dem fr alle Lehramtsstudierenden gemeinsamen Bachelorstudiengang Bildungswissenschaften ein Pflichtmodul Medien und Bildung an. Im Rahmen des Referendariats ist der Einsatz moderner IT-Medien in den Curricula aller Fcher und Fachrichtungen sowie in Pdagogik verankert. Darber hinaus bietet das IQSH den Lehrkrften im Vorbereitungsdienst die Mglichkeit, zustzlich ihre Kompetenzen im Umgang mit den modernen IT-Medien zu erweitern, so z.B. zu medienerzieherischen wie auch mediendidaktischen Aspekten. Regelmig finden Fortbildungsveranstaltungen und Fachtagungen fr die ca. 28.000 Lehrerinnen und Lehrer in Schleswig-Holstein statt, Schulen knnen die Veranstaltung Medien machen Schule fr sich abrufen.

KMK - Arbeitsgruppe auf Bundesebene

Derzeit ist eine Arbeitsgruppe von Staatssekretren der Bildungsministerien in Deutschland mit der Erarbeitung einer Strategie der Kultusministerkonferenz (KMK) Bildung in der digitalen Welt befasst. Dirk Loack, der Staatssekretr des Bildungsministeriums Schleswig-Holstein, hat zusammen mit dem Staatssekretr des Bildungsministeriums Sachsen in der entsprechenden Lenkungsgruppe den Vorsitz bernommen.

Bildungsdialog

Unter der berschrift Lernen in einer digitalen Welt haben sich beim Bildungsdialog am 6. Juni 2015 in Kiel mehr als 100 Teilnehmerinnen und Teilnehmer auf Einladung von Bildungsministerin Ernst ausgetauscht. Bericht: hier.

Quelle u.a.:

Bericht der Landesregierung zur Umsetzung des Digitalen Lernens (Drucksache 18/3789)

Homepage: Martin Habersaat, MdL


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