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Rezension: Frank Goosen - Liegen lernen

Veröffentlicht am 09.12.2012, 16:46 Uhr     Druckversion

Cover: Liegen lernen Das Besondere an Frank Goosens erstem Roman, „Liegen lernen“ ist die erzählte Zeit. Der damals 34jährige Goosen nutzt als Rahmen der Handlung des 2000 erschienenen Romans die Jahre 1982 bis 1998, also die „Ära Kohl“. Goosens Protagonist, der mit Vornamen auch Helmut heißt, erlebt als Schüler den Wechsel von Schmidt zu Kohl.
Die erste Liebe, das Studium, die Scheidung der Eltern, die Frage nach der Gründung einer Familie - all das passiert, während der Kanzler derselbe bleibt. Und das Erwachsenwerden gelingt schließlich parallel zur Bundestagswahl 1998, als Helmut mit Mitte 30 auf sein bisheriges Leben zurückschaut.

Helmut Hermes interessiert sich so richtig eigentlich erst für Politik, als die schöne Britta in die Stadt zieht, Schulsprecherin wird und zu verschiedenen Arbeitsgruppen einlädt. „Ein paar Tage später wurde Helmut Kohl Bundeskanzler. Britta sagte, das sei ein großes Unglück, und wir könnten uns jetzt auf was gefasst machen. Erst mal passierte aber nichts. Außer, dass das Wetter schlechter wurde, aber es war ja auch Herbst.“ (S.64) Nach der Schule lässt Helmut sich vom Wehrdienst zurückstellen und beginnt ein Geschichtsstudium, wird später selbst Dozent.

Die Zeitgeschichte ist nicht das eigentliche Thema von „Liegen lernen“, die 1980er und 1990er Jahre bilden aber einen Hintergrund, der immer wieder vorschimmert, zum Beispiel bei Helmuts Berlin-Besuchen. Vor der Wende bekommt er auf Klassenreise Schwierigkeiten, weil er wegen Blasendrucks den „sozialistischen Mutterboden entweiht“, während der Wende gerät er in verschiedene Feierlichkeiten und lernt Teile der Subkultur Berlins kennen. Und nach der Wende, im September 1998, liegt Helmut in einer Pfütze vor einer Kreuzberger Kneipe und blickt zurück.

Coming of Age - Romane scheinen als Erstlingswerke besonders gut geeignet zu sein, gerade Frank Goosen profitiert in seinen Büchern häufig von eigenen Erlebnissen im Ruhrgebiet. Die Grundidee, vor der wirklich festen Bindung („Für immer? Das war eine verdammt lange Zeit.“) noch einmal die Verflossenen zu besuchen, kennen wir z.B. von Nick Hornbys High Fidelity. Die Schallplatte auf dem Buchtitel würde ich als Reminiszenz deuten. Frank Gossen liefert eine originelle deutsche Variante dazu. Helmuts Fazit nach diesen Besuchen lautet übrigens: „Von den drei Frauen, mit denen ich zusammen gewesen war, war eine fett geworden, eine lesbisch und eine lebte mit fünfzig immer noch allein. Ich hatte ganze Arbeit geleistet.“ (S.315)


Homepage: Martin Habersaat, MdL


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