SPD Hamberge - online -

Webmaster

Jochen Witt --> Kontakt

RSS-feed der SPD
Rezension: Eugen Ruge - In Zeiten des abnehmenden Lichts

Veröffentlicht am 09.04.2012, 21:36 Uhr     Druckversion

Cover: Ruge „Roman einer Familie“ lautet der Untertitel des 2011 erschienenen Erstlingsromans von Eugen Ruge, für den er prompt den Deutschen Buchpreis erhielt. Geschildert wird die Geschichte einer Familie über vier Generationen, die den Aufbau der DDR und ihren Untergang erleben. Das sozialistische Feuer glimmt von Generation zu Generation weniger, was als titelgebendes „abnehmendes Licht“ gedeutet werden könnte.Im Roman taucht die Wendung in Erinnerungen einer alten Frau an die Kartoffelernte in ihrer russischen Heimat auf - „wenn erst mal das Kartoffelkraut brannte, dann war sie gekommen, unwiderruflich: die Zeit des abnehmenden Lichts.“

Verschiedene Stationen der Familie werden aus Perspektiven einzelner Familienmitglieder geschildert. Ruge erzählt nicht chronologisch, sondern montiert zwischen 1952 und 2001 verschiedene Schilderungen hintereinander, immer wieder taucht der 1. Oktober 1989 auf, an dem kurz vor dem Zusammenbruch der DDR Wilhelm Powileit seinen 90. Geburtstag feiert. Er ist überzeugter Sozialist und nicht der Patriarch, weil er nicht der Vater der Söhne seiner Frau Charlotte ist. Ihr Sohn Kurt kommt aus dem Gulag in die DDR und wird Historiker (beides Parallelen zum Vater von Eugen Ruge). Sein Sohn Alexander fehlt bei der Geburtstagsfeier, weil er sich kurz zuvor in den Westen abgesetzt hat.

2001 leidet Alexander an Krebs im Endstadium, sein Vater ist schwer demenzkrank. Im Flur steht eine leuchtende Muschel. Sie stammt aus der Zeit, die Wilhelm und Charlotte in den 1950er Jahren in Mexiko verbrachten, bis sie zum Aufbau der Deutschen Demokratischen Republik nach Ostberlin berufen wurden. Wilhelm, der sich in Mexiko nie wohl fühlte, nutzte sie als Beweis seiner Weltläufigkeit. Alexander wird sie später zum Symbol für seinen Wunsch, Mexiko auch zu erleben. Er nimmt die Ersparnisse seines kranken Vaters und fährt nach Mexiko, wo das Buch schließlich endet. Alexander liest eine Zeitung über 9/11, später in den Erinnerungen seines Vaters. Alles endet mit dem gleichgültigen, fernen Rauschen des Meeres.

Interessant ist, dass dieser „Wende-Roman“ ohne Mauerbau und Wende auskommt. Diese Ereignisse werden quasi als bekannt vorausgesetzt und spielen nur eine indirekte Rolle.

Martin Habersaat beteiligt sich an "Der Kreis liest ein Buch".

Termine: hier.



Homepage: Martin Habersaat, MdL


Kommentare
Keine Kommentare
 
Infos über Hamberge
Das Wetter