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„Ein fatales Signal!“

Veröffentlicht am 12.10.2017, 22:44 Uhr     Druckversion

Rossmann (SPD) kritisiert Rolle rückwärts bei Leichter Sprache

 

„Besser machen – nicht abschaffen und ins Internet abschieben!“ Das fordert der Kreis Pinneberger SPD-Bundestagsabgeordnete im Hinblick auf die Initiative der schwarz-gelb-grünen Landesregierung, die Leichte Sprache wieder aus den Wahlunterlagen in Schleswig-Holstein zu verbannen. „Aus der in Teilen berechtigten Kritik müssten jetzt die richtigen Lehren gezogen werden. Die Leichte Sprache an dieser Stelle wieder abzuschaffen, ist auf jeden Fall die falsche.“

 

Rossmann ist bildungspolitischer Sprecher der SPD-Bundestagsfraktion und im Ehrenamt Vorsitzender des Deutschen Volkshochschulverbandes, der sich stark in der Alphabetisierung engagiert. „Wir haben in Deutschland rund 7,5 Millionen funktionale Analphabeten. Das sind Menschen, die wir – wie auch diejenigen mit Behinderungen – in die Mitte unserer Gesellschaft hineinholen müssen“, mahnt der Weiterbildungsfachmann. „Sie jetzt bei der politischen Mitbestimmung aufs Internet zu verweisen und alles weitere im Ungefähren zu belassen, ist ein fatales Signal!“

 

In vielen Bereichen werde glücklicherweise zunehmend auf die Leichte Sprache gesetzt. Auch der Bundestag baue seine Informationen in Leichter Sprache zum Beispiel in der der Publikation „Das Parlament“ aus. „Hier geht es nicht um Kleinigkeiten. Das Wahlrecht für alle ist der Kern unserer Demokratie! Es ist eine Pflicht, es möglichst barrierefrei zu gestalten“, betont Rossmann auch aus seiner Sicht als Vorsitzender des Volkshochschulverbandes. „Dass die Gestaltung der Unterlagen zur Landtagswahl nicht glücklich war, darf keine Ausrede dafür sein, hieran nicht weiter zu arbeiten.“

 

In welchem Umfang die geänderten Unterlagen die Wahlbeteiligung bei Menschen mit Behinderungen oder Leseschwäche beeinflusst haben, lasse sich indessen überhaupt nicht sagen, hält Rossmann dem Innenminister weiterhin entgegen. „Wenn Herr Grote hierzu Zahlen hat, dann gehört es sich, dass er sie schnell öffentlich macht und sagt, wie und wo sie erhoben worden sind. Und sollte eine solche Auswertung tatsächlich existieren, muss sie genutzt werden, um das Verfahren gemeinsam mit den Sozialverbänden und den Beauftragten für die Belange von Menschen mit Behinderungen zu optimieren – nicht aber als Alibi gegen mehr Teilhabe.“

Erstaunt und entsetzt ist Rossmann darüber, dass die schwarz-gelb-grüne Koalition sogar finanzielle Gründe für die Abschaffung der Leichten Sprache in den Unterlagen anführt. „Die Durchführung demokratischer Wahlen kostet auch immer Geld. Und Wahlen, bei denen mehr Menschen einbezogen werden, kosten etwas mehr Geld. Wer hier anfängt, zu Lasten von Menschen mit Behinderungen und Analphabeten über ausgelöste Konnexität zu diskutieren, muss in seinem Gesellschaftsbild noch viel dazu lernen.“

Homepage: SPD-Pinneberg


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