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Olof-Palme-Friedenspreis 2015: Laudatio

Veröffentlicht am 01.03.2015, 20:10 Uhr     Druckversion

Foto: Laudatio 2015

Verleihung des Olof-Palme-Friedenspreises der SPD Stormarn am 28. Februar 2015 im Schloss Reinbek. Begrüßung: Susanne Danhier. Festrede: Britta Ernst. Laudatio für das Kuratorium: Martin Habersaat.

 

Frau Ministerin, meine Damen und Herren,

seit 1987 wird der Olof-Palme-Friedenspreis der SPD-Stormarn nun bereits verliehen. Und in jedem Jahr wieder finden sich Personen und Initiativen, die eine Nominierung verdient haben.

Weil sie sich im Sinne Olof Palmes  bemühen, den Menschen ein Leben in demokratischer Freiheit zu verschaffen, sich gegen Unrecht engagieren, gegen Unterdrückung und Rassismus, die eintreten für Frieden und Sicherheit durch Partnerschaft und für die Verbesserung der Situation in der Dritten Welt.

Die Zahl der Nominierungen geht weit in die hunderte, und selbst die Zahl der dieses Jahr nominierten lässt sich nur schwer beziffern - dazu komme ich noch. Neben den Nominierten gilt der  Dank des Kuratoriums auch den Nominierenden, die wachen Auges den Einsatz ihrer Mitmenschen wahrnehmen und helfen, Ehrenamt wertzuschätzen. Oft sind dies Preisträgerinnen und Preisträger vergangener Jahre, die besondere Antenne für solches Engagement entwickelt haben. 

 

In diesem Jahr wurden nominiert:

Weltladen Bad Oldesloe, Vorsitzende Antje Gebhardt

Seit 1991 gibt es den Weltladen in Bad Oldesloe. Ein gutes Dutzend „freundlicher und fröhlicher MitarbeiterInnen“ (steht auf der Webseite) arbeitet dort ehrenamtlich, manche schon seit 25 Jahren. Zu erhalten sind dort handgefertigte Brauch- und Schmuckgegenstände sowie fair gehandelte Genusslebensmittel, auch auf Festivitäten in näherer und weiterer Umgebung ist man vertreten. Dabei geht es nicht nur um Produkte von besonderer Qualität, sondern auch um ein kleines Stück Weltpolitik. Fairer Handelt ermöglicht faire Preise, die den Erzeugern der Produkte ein Leben in Würde ermöglichen. Antje Rahaus hat das Team des Weltladens aber nicht nur wegen dieses Einsatzes nominiert, sondern auch wegen des besonderen Einsatzes in der Weihnachtszeit, als Starkregen „Nachtdienste“ an der Wasserpumpe erforderlich machte. Manchmal ist Ehrenamt eben noch viel mehr als das, was man eigentlich geplant hat.  

 

Aktion Friedenslicht, Sonja von Gliszczynski

Die Aktion Friedenslicht gibt es seit 1986. Sie wurde vom Österreichischen Rundfunk (ORF) ins Leben gerufen. Jedes Jahr entzündet ein Kind das Friedenslicht an der Flamme der Geburtsgrotte Christi in Betlehem. Seit 22 Jahren verteilen vier Pfadfinderverbände das Friedenslicht in Deutschland ab dem 3. Advent Im Rahmen einer Lichtstafette wird das Licht in Deutschland an über 500 Orten an “alle Menschen guten Willens” weitergegeben. Die Friedenslichtaktion 2015 steht in Deutschland unter dem Motto: “Hoffnung schenken – Frieden finden” und will damit Zeichen für Gastfreundschaft und für Menschen auf der Flucht setzen

Sonja von Gliszczynski hat das Licht bereits mehrfach aus Österreich auf das Ahrensburger Rondeel verteilt. Auch im Hamburger Rathaus wird das Licht seit vielen Jahren in Empfang genommen, ebenso im Landeshaus.

Gut Pfad!

 

Projekt Stolpersteine in Reinfeld

„Ein Mensch ist erst vergessen, wenn sein Name vergessen ist,“ sagt der Talmud.

Eine sechste Klasse der Immanual-Kant-Gemeinschaftsschule Reinfeld hat sich in der Vorhabenwoche 2012 mit den Leben hinter den Namen von Carl Harz und Richard Minkwitz beschäftigt. Harz war Schiffs- und Immobilienmakler gewesen, Stadtentwickler in Reinfeld und - ein Kriegsgegner, der 1943 83jährig in „Schutzhaft“ genommen wurde, die er nicht überlebte. Dem Landarbeiter und Kommunisten Minkwitz wurde 1933 im „Blauen Haus“, dem Gestapo-Gefängnis in Bad Oldesloe, der Kopf eingeschlagen. Für beide gibt es dank des Einsatzes der Schülerinnen und Schüler die ersten und bisher einzigen Stolpersteine in Reinfeld. Inzwischen gibt es in Reinfeld sogar einen Richard-Minkwitz-Weg. 

 

Museum Rade und die Stiftung Sammlung Italiaander / Spegg

Wenn man den Lebenslauf Rolf Italiaanders und seine Werke näher betrachtet, macht man eine Reise durch die Welt und Bekanntschaft mit vielen Kulturen, Religionen und Gebräuchen. Seiner Sammlung widmet sich das Museum Rade -ja, es steht in Reinbek und ist nach einem Ortsteil von Tangstedt benannt-, und noch heute wird dort der Gedanke deutlich, über die Beschäftigung mit dem Anders-Sein und mit kulturellen Ausdrucksformen Akzeptanz zu fördern, mit volkstümliche Kunst als Mittel der Völkerverständigung, mit Bildung gegen Fremdheit. Das Museum wird von einer Stiftung getragen und auch von viel ehrenamtlichen Engagement.

Einen Satz aus der Nominierung von Rudolf Zahn möchte ich zitieren, weil er sich über diese Nominierung hinaus zum Leitgedanken für diesen Abend eignet: „Fremdes wird oft als bedrohlich empfunden, Kenntnis jedoch ent-fremdet und wirkt präventiv gegen reflexhaft negative und abwehrende Emotionen.“

 

Islamische Gemeinde Glinde / Reinbek e.V.

Im Winter 2013 kamen 300 Flüchtlinge aus Afrika in Hamburg an. Dort gab es Schwierigkeiten verschiedener Art. Gab es in Italien schon ein Asylverfahren, nach dem es in Deutschland kein zweites geben dürfte? Waren es wirklich alles Wanderarbeiter, die nach dem Sturz Gaddafis Libyen verlassen mussten?  

Zwölf dieser Männer, Afrikaner unterschiedlicher Herkunft und unterschiedlichen Glaubens, fanden schließlich Aufnahme in der Glinder Moschee, von wo aus sie später eine Unterkunft der Stadt Glinde bezogen - und größtenteils später untertauchten. Die Offenbarung ihrer Identitäten half dabei, Unterstützung zu organisieren. Die Mitglieder der Gemeinde sorgten für ein Dach über dem Kopf und ein Stück Geborgenheit, bald halfen viele Glinder und Reinbeker mit Spenden, engagierten sich persönlich, halfen bei Kultur- und Sprachproblemen und Behördengängen. Das JuZ-Reinbek produzierte einen Film „Von Afrika bis Glinde - 2299 Kilometer von zu Haus“. Ein Hilfsnetzwerk in Glinde und Umgebung konnte geknüpft werden, angestoßen durch die Bereitschaft der Islamischen Gemeinde zur Aufnahme dieser Menschen. Niels Brock schreibt in seiner Nominierung: „Das Bewusstsein für die Notwendigkeit der humanitären Hilfe wurde geschärft und führte letztlich zur Gründung der Flüchtlingshilfe Glinde e.V.“ Der Flüchtlingsrat zeichnete für dieses Engagement 2013 die Islamische Gemeinde zusammen mit der Glinder Bürgerinitiative gegen rechts mit dem „Leuchtturm des Nordens“ aus.

 

Eine habe ich nicht erwähnt.

Verena Tunn aus Reinbek erwarb sich mit ihrer Hilfe für die Flüchtlinge in der Glinder Moschee den Namen „Mama Afrika“.

Und Frau Tunn wurde für dieses Engagement ebenfalls nominiert für den Olof-Palme-Friedenspreis 2015. Jeden Morgen um 10.00 Uhr war Frau Tunn zur Stelle und half bei Alltagssorgen aller Art, manchmal neun Stunden am Tag. Sie vermittelte schließlich auch den Kontakt zu Burkhardt Peters, einem grüner Landtagskollegen und Juristen, der die rechtliche Vertretung für die Männer übernahm. Nach dem Umzug der Flüchtlinge in den Togohof half Frau Tunn auch hier und setzt sich auch für die anderen Bewohner dieser Unterkunft ein.

 

Um Hilfe für Flüchtlinge geht es auch im Vorschlag von Dieter Weiß. Allerdings im wahrsten Sinne des Wortes umfassender. Herr Weiß nominiert

Alle Initiativen, Arbeits- und Freundeskreise, die sich im Kreis Stormarn um Flüchtlinge kümmern. Die Zeit spenden, Hilfe organisieren und Unterstützung leisten.

 

Freundeskreis Flüchtlinge in Ahrensburg, Axel Fricke

Der Freundeskreis Flüchtlinge in Ahrensburg wurde als Beispiel gennannt von Dieter Weiß, aber auch vorgeschlagen vom Ahrensburger Bürgermeister Michael Sarach. Hier will man handeln, organisiert Begleitung beim Arztbesuch oder beim Behördengang, Sprachunterricht, Familienpatenschaften. 50 Teilnehmer kamen zur Gründungssitzung des Freundeskreises. Es entstanden und entstehen Organisationsgruppen für die einzelnen Ahrensburger Stadtteile, auch Flüchtlinge sind dabei. In Wulfsdorf ging es los, hier wurden beispielsweise im Herbst 2014 neben der Flüchtlingsunterkunft ein Sandkasten und eine Sitzbank errichtet. Die Fotos der Aktion sahen wir allerdings eher nach einem großen Grillfest mit zahlreichen Nachbarn aus.  

 

Auch in Ammersbek gibt es einen solchen Freundeskreis, ein ehrenamtliches Organisationsteam koordiniert die Arbeit und lenkt Spenden in die richtigen Bahnen.

Ebenso hat sich in Großhansdorf ein Unterstützerkreis für die dort ankommenden Flüchtlinge gegründet.

In Barsbüttel läuft das Projekt „Zeitspender“ der Bürgerstiftung Barsbüttel.

Die Flüchtlingshilfe Glinde habe ich schon erwähnt.

In Reinbek ist der Runde Tisch für Migration, Flucht und Asyl schon seit längerem aktiv, das JuZ unterstützt diese Idee durch eigene Aktionen.  

Das Therapietheater Reinfeld, Olof-Palme-Friedenspreisträger 2011, hat im letzten Jahr ein erstes Theaterprojekt mit Flüchtlingen begonnen, außerdem gibt es dort weitere Initiativen zur Unterstützung von Asylsuchenden.  

In Trittau richten Sven Höper und andere gespendete Fahrräder für die Flüchtlinge her, nach Ablauf der Fristen auch die Fahrräder aus dem örtlichen Fundbüro. Für den Sommer sind gemeinsame Touren in Planung.  

 

Das sind sicher nicht alle. Deswegen haben wir als Kuratorium es auch nicht gewagt, den Vorschlag von Herrn Weiß zu übernehmen und alle auszuzeichnen, auch wenn alle es verdient hätten.

 

Allerdings: ein Signal für den Umgang mit Flüchtlingen war uns wichtig.

Gerade wir in Schleswig-Holstein wissen das. Die Einwohnerzahlen Bargteheides oder Barsbüttels haben sich durch sie Flüchtlinge aus den ehemaligen deutschen Ostgebieten nach dem Zweiten Weltkrieg vervielfacht, in fast allen Städten und Gemeinden gibt es den „Königsberger Weg“ oder die „Danziger Straße“, in denen damals erste Notunterkünfte gebaut wurden. Kein anderes Bundesland hat seinerzeit so viele Flüchtlinge aufgenommen wie Schleswig-Holstein.

Es sind auch diese Erfahrungen, die zuversichtlich stimmen. Allerdings: Wir brauchen dieses Engagement auch weiterhin. Ministerpräsident Torsten Albig hat in seiner Regierungserklärung in diesem Monat die Zahlen genannt. 

„Die Zahl der Menschen, die bei uns Zuflucht sucht, steigt. Kamen im Jahr 2010 noch 1.300 Asylsuchende zu uns, waren es im vergangenen Jahr bereits 7.600. Wir stellen nun fest: im Januar 2015 gegenüber dem Vorjahr 250 % Anstieg, im Februar 400 % Anstieg, und wir sind jetzt bei 1.900 Menschen, die an unsere Tür klopfen und um Hilfe nachfragen. Wenn wir diese Zahlen so gewichten, wie sich die Januar- und Februarzahlen der letzten Jahre auf das Gesamtjahr ausgewirkt haben, dann müssen wir realistischerweise von bis zu 20.000 Frauen und Männern, jungen und alten, ausgehen, die in Schleswig-Holstein sein werden und um die wir uns gemeinsam kümmern müssen. Eine Zahl von bis zu 20.000 ist eine Herausforderung für uns. Aber bitte lassen Sie uns alle mit Kraft gegen die anreden, die uns erzählen, dass nun die Angst vor Überfremdung über uns kommen wird. Bei 20.000 Menschen gegenüber 2,8 Millionen Einwohnern ist eine solche Diskussion irreal.“

 

Deshalb hat sich das Kuratorium entschlossen, den Einsatz für Flüchtlinge in Stormarn zu würdigen.

Und weil der Einsatz so vielfältig ist, haben wir uns entschieden, eine Gruppe stellvertretend für alle anderen auszuzeichnen. Wir würdigen das Engagement aller, wenn der Olof-Palme-Friedenspreis 2015 an den

Freundeskreis Flüchtlinge in Ahrensburg um Axel Fricke

geht.

Herzlichen Glückwunsch!

Homepage: Martin Habersaat, MdL


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