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Rezension: Franz Walter - Die SPD - Biografie einer Partei

Veröffentlicht am 12.07.2013, 16:34 Uhr     Druckversion

Darf man Verhältnisse mögen, die man mitgestaltet hat - oder muss man sie bekämpfen, wenn sie zu weit vom Ideal entfernt liegen? Diese Frage ist für Franz Walter der „klassische Zwiespalt der Sozialdemokratie“. Er schildert die Geschichte der Partei von den Anfängen der Arbeiterbewegung bis fast ins Heute, benennt historische Einflüsse, geht auf wesentliche Charaktere ein, findet immer wieder Parallelen zwischen einst und jetzt.

Und hält sich nicht mit launigen Urteilen zurück, etwa wenn er die Neigung der SPD zur Opposition thematisiert: „Im Laufe der Zeit stellte sich eine ganz spezifische sozialdemokratische Mentalität mürrischer Unzufriedenheit - nicht zuletzt mit sich selbst - heraus“ (S.262).

Allerdings sind bei weitem nicht alle Urteile über die SPD negativ. Franz Walter mag die Sozialdemokraten, ist ein kritischer Freund -und seit vielen Jahren SPD-Mitglied. Mit Recht, findet er, sei die SPD stolz auf ihre Geschichte, auf überstandene Zeiten der Verfolgung zur Zeit des Sozialistengesetzes und unter Hitler. Die Sozialdemokraten „widerstanden tapfer, gaben nicht klein bei, während das deutsche Bürgertum sich in beiden Fällen opportunistisch auf die Seite der Unterdrücker schlug“ (S.89).

Die Gewerkschaften waren 1914 schnell für den Krieg zu begeistern. Die SPD neigte oft zum Eskapismus, wenn sie zur Macht streben sollte. Willy Brandt kam vom rechten Flügel der SPD. Das „1970er-Establishment“ neigt zu „ästhetisch-nörgelnder Reserve“. Das sind einige der schmissigen Thesen oder für manche überraschenden Feststellungen Walters. Eine andere: 1964 sei die SPD der Macht näher gekommen, weil sie sich als bessere CDU gerierte. (MH: Vielleicht hat Angela Merkel ihre Taktik hier abgeguckt?).

Die SPD sei beinahe die einzige Partei gewesen, die die Weimarer Republik trug, dennoch konnte sie sie am Ende nicht retten.  Warum? Klassische Walter-Antwort: Otto Braun war politisch zu erschöpft, Otto Wels nicht regierungsfreudig genug und Carl Severing zu unentschlossen. Walters Urteil über spätere Sozialdemokraten, das Führungstandem Björn Engholm und Hans-Ulrich Klose etwa: „Beiden fehlte die Härte und Brutalität, wohl auch das Intrigante und nicht zuletzt eine verlässliche Hausmacht, um ihrer Partei erfolgreich neues Terrain zu erschließen“ (S.217).

„Assoziation“ und „Bildung“ seien die beiden Zauberworte in der Frühphase der SPD gewesen, in der sich Aufstiegswillige trafen, um die alten Klassen zu durchbrechen. Die bürgerlichen Parteien seien damals wie heute stets in einer Abwehrhaltung gewesen, wollten Privilegien nicht teilen, versperrten den Arbeiterkindern bis in die 1960er-Jahre den Weg in die Universitäten. Anders sei dies erst geworden, als Sozialdemokraten die Bildungspolitik in Bund und Ländern vorantrieben und für „Bildungsexpansion“ sorgten. Grund genug für Walter, die „Mitte“ als Ort der Leistungswilligen und Aufgestiegenen zu definieren, um die die SPD sich heute kümmern sollte.

In der Rückschau macht vieles Sinn, ist logisch zu erklären. Dem kann ich -zuweilen mit gerunzelter Stirn -als Leser folgen, schon des Lesevergnügens wegen. Nicht aber dem abschließenden Rat Walters an die SPD, den Anspruch aufzugeben, Volkspartei zu sein. Aber gesunder Widerspruch ist ja üblich unter Genossen…

 

Link: http://www.demokratie-goettingen.de/institut/prof-franz-walter

Homepage: Martin Habersaat, MdL


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